Wie berechnet man die Ladezeit eines Elektroautos?
Wenn du die Batteriegröße in kWh, die Ladeleistung und den aktuellen Ladestand kennst, kannst du die Zeit im Kopf ausrechnen. Die Formel ist einfach, aber beim DC-Laden gibt es einen Haken.
Von: Şarj Rehberim · Aktualisiert: · 5 Min. Lesezeit
Die Grundformel
Die Ladezeit ist die Energie, die in die Batterie fließen muss, geteilt durch die Ladeleistung. Mit dem Prozentunterschied gerechnet:
Zeit (Stunden) = Batterie (kWh) × (Ziel-% − aktuelle %) ÷ 100 ÷ Leistung (kW)
Ein Beispiel: Ein Auto mit 60-kWh-Batterie soll von 20 % auf 80 % laden. Der Unterschied beträgt 60 Prozentpunkte, es werden also 36 kWh Energie gebraucht. An einer 11-kW-AC-Steckdose sind das 36 ÷ 11 ≈ 3,3 Stunden.
Verluste einrechnen
Diese Rechnung ist theoretisch. In der Praxis geht beim Laden Energie als Wärme verloren, und auch das Kühlsystem des Autos verbraucht Strom. Rechne beim AC-Laden mit etwa 10 % Verlust, beim DC-Laden mit 5–8 %.
Im Beispiel oben sind 3,6–3,7 Stunden statt 3,3 Stunden realistischer.
Die eigentliche Grenze: das Auto selbst
Die Leistung der Station und die Leistung, die dein Auto aufnehmen kann, sind nicht dasselbe. Schließt du ein Auto mit 11-kW-Bordlader an eine 22-kW-AC-Steckdose an, bekommst du trotzdem nur 11 kW. Nimm für die Rechnung den kleineren Wert.
Bei DC gilt dasselbe: Wird ein Auto, das höchstens 100 kW aufnimmt, an eine 180-kW-Station angeschlossen, sind es 100 kW.
Die 80-%-Regel beim DC-Laden
Beim DC-Schnellladen bleibt die Leistung nicht konstant. Je voller die Batterie wird, desto weiter senkt das Auto schrittweise den Strom – das nennt man Ladekurve. Die höchste Geschwindigkeit gibt es meist zwischen 20 % und 50 %, ab 80 % wird es deutlich langsamer.
Deshalb ist es auf langen Strecken meist schneller, bis 80 % zu laden und weiterzufahren, als auf 100 % zu warten. Die letzten 20 % können so lange dauern wie die ersten 60 %.
Wie lange dauert es ungefähr?
Die DC-Zeiten in der Tabelle sind wegen der Ladekurve Näherungswerte; bei Kälte dauert es länger.
| Leistung | Typ | 60-kWh-Batterie 20 % → 80 % |
|---|---|---|
| 3,7 kW | AC – Niveau Haushaltssteckdose | ca. 10 Stunden |
| 7,4 kW | AC – Wallbox zu Hause | ca. 5 Stunden |
| 11 kW | AC – dreiphasig | ca. 3,5 Stunden |
| 22 kW | AC – dreiphasig, hohe Leistung | ca. 1,8 Stunden |
| 50 kW | DC | ca. 45 Minuten |
| 150 kW | DC-Schnellladen | ca. 25 Minuten |
Häufige Fragen
- Schadet es der Batterie, auf 100 % zu laden?
- Jeden Tag auf 100 % zu laden und das Auto so stehen zu lassen, strapaziert eine Lithium-Batterie. Im Alltag wird der Bereich 20–80 % empfohlen; vor einer langen Fahrt spricht nichts gegen 100 %.
- Kann ich zu Hause an einer 16-Ampere-Steckdose laden?
- Technisch ja, aber für die Dauernutzung ist das nicht geeignet. Eine normale Steckdose ist nicht dafür ausgelegt, stundenlang hohen Strom zu führen; es besteht Überhitzungsgefahr. Du brauchst eine Wandladestation (Wallbox).
- Warum lädt das Auto bei Kälte langsamer?
- Ist die Batterie kalt, drosselt das Auto den aufgenommenen Strom, um die Zellen zu schützen. Bei manchen Autos wird die Batterie vorgeheizt, wenn du einen Ladepunkt ins Navi eingibst – damit ist das Problem weitgehend gelöst.