Reifen für Elektroautos: Verschleiß, Einfluss auf die Reichweite, Winterreifenpflicht

Für ein Elektroauto ist kein „EV-Reifen“ nötig; wichtig ist ein Reifen, der den im Fahrzeugschein eingetragenen Last- und Geschwindigkeitsindex erfüllt. Elektroautos verschleißen Reifen wegen Gewicht und Drehmoment schneller; in einer unabhängigen Messung lag der Reifenabrieb des Tesla Model Y 26 % über dem eines Hybrids. Laut EU sind Reifen für 20–30 % des Verbrauchs verantwortlich. In der Türkei gilt die Winterreifenpflicht vom 15. November bis 15. April für Nutzfahrzeuge.

Von: Şarj Rehberim · Aktualisiert: · 5 Min. Lesezeit

Kurz gesagt

Laut ADAC musst du keinen Reifen kaufen, auf dem „EV“ oder „für Elektroautos“ steht; entscheidend sind der Last- und Geschwindigkeitsindex, den der Fahrzeughersteller vorgibt (er steht im Fahrzeugschein und in der Übereinstimmungsbescheinigung). Da Elektroautos 300–500 kg schwerer sein können als ein gleich großer Benziner, ist der richtige Lastindex wichtig.

Bei den „für Elektroautos geeigneten“ Reifen der Hersteller werden meist ein geringer Rollwiderstand, ein geräuschdämpfender Schaumstoff im Inneren und eine höhere Tragfähigkeit kombiniert. Das trägt zu Reichweite und Komfort bei, ist aber keine Pflicht.

Quellen (Stand 3. November 2026): ADAC: Reifen für Elektroautos

Was ist bei Reifen für Elektroautos anders?

  • Last: Reifen mit HL-Kennzeichnung (High Load) tragen laut Pirelli etwa 20 % mehr als ein Standardreifen derselben Größe und 6–9 % mehr als ein XL-Reifen. Bei schweren Elektro-SUVs kann der Hersteller HL oder XL vorschreiben.
  • Geräusch: Da das Motorgeräusch fehlt, hört man das Reifengeräusch stärker. Ein in den Reifen geklebter Schaumstoff verringert das Geräusch im Innenraum; Continental gibt für ContiSilent eine Minderung um bis zu 9 dB an.
  • Verschleiß: In der Messung von Emissions Analytics lagen die Reifenabriebemissionen des Tesla Model Y 26 % über denen des 489 kg leichteren Kia Niro Hybrid. Michelin gibt an, dass Reifen bei Elektroautos bis zu 20 % schneller verschleißen können. Starkes Anfahren erhöht den Verschleiß deutlich.

Quellen (Stand 3. November 2026): Pirelli: erster Reifen mit HL-Kennzeichnung · Continental: ContiSilent · Emissions Analytics: Messung des Reifenabriebs

Wie stark beeinflussen Reifen die Reichweite?

Laut EU-Verordnung zum Reifenlabel sind Reifen, vor allem wegen ihres Rollwiderstands, für 20–30 % des Kraftstoffverbrauchs eines Fahrzeugs verantwortlich. Nach den Werten des ADAC für einen Benziner beträgt der Unterschied zwischen Klasse A und E etwa 7,5 %. Beim Elektroauto bedeutet das einen Reichweitenunterschied in derselben Größenordnung: In einem Test des TÜV SÜD mit einem Elektroauto ergab sich zwischen drei verschiedenen Reifen bei 500 km Reichweite ein Unterschied von 34 km (etwa 7 %).

Auch der Reifendruck ist wichtig: Laut Umweltbundesamt erhöhen 0,5 bar zu wenig Druck den Verbrauch um etwa 5 %. Prüf den Druck einmal im Monat bei kalten Reifen und nimm den Wert vom Aufkleber an der Türsäule.

Klasse im EU-ReifenlabelRollwiderstand (N/kN)Mehrverbrauch gegenüber Klasse A (ADAC, Benziner)
A≤ 6,5—
B6,6–7,7+0,10 l/100 km
C7,8–9,0+0,22 l/100 km
D9,1–10,5+0,36 l/100 km
E≥ 10,6+0,51 l/100 km

Quellen (Stand 3. November 2026): EU-Verordnung 2020/740 (Reifenlabel) · ADAC: Reifenlabel

Winterreifenpflicht und Profiltiefe

  • Laut Erlass des Ministeriums für Verkehr und Infrastruktur gilt die Winterreifenpflicht nach der Änderung vom 4. Oktober 2025 jedes Jahr vom 15. November bis 15. April (vorher 1. Dezember–1. April).
  • Die Pflicht gilt für Nutzfahrzeuge im Personen- und Güterverkehr zwischen Städten; private Pkw sind nicht erfasst, das Ministerium empfiehlt aber auch privaten Fahrzeughaltern Winterreifen.
  • Die Provinzgouverneure können die Pflicht je nach örtlichem Wetter aufheben oder den Zeitraum am Anfang und am Ende um je einen Monat verlängern.
  • Profiltiefe: bei Lkw, Sattelzugmaschinen, Tankwagen und Bussen mindestens 4 mm; bei Pkw, Kleintransportern und Kleinbussen mindestens 1,6 mm. Beim Pkw sind 4 mm für Winterreifen keine gesetzliche Grenze, sondern eine Empfehlung.
  • Der Erlass lässt die M+S-Kennzeichnung genügen; der ADAC setzt für Winterbedingungen dagegen das Bergpiktogramm mit Schneeflocke (3PMSF) voraus.

Quellen (Stand 3. November 2026): Amtsblatt 04.10.2025: Änderung des Winterreifenerlasses

Sind Ganzjahresreifen für Elektroautos geeignet?

Im Ganzjahresreifentest 2026 des ADAC erhielt von 16 Modellen nur eines die Note „gut“, acht wurden nicht empfohlen. Laut ADAC eignen sich Ganzjahresreifen für Fahrer mit wenig Kilometern, die keine harten Winter erleben; Vielfahrer und Menschen in schneereichen Regionen sollten getrennte Sommer- und Winterreifen nutzen. Bei schweren Elektroautos mit hohem Drehmoment gilt diese Empfehlung umso mehr.

Quellen (Stand 3. November 2026): ADAC: Ganzjahresreifentest 2026

Häufige Fragen

Kann man normale Reifen auf ein Elektroauto montieren?
Ja. Jeder Reifen, der Größe, Last- und Geschwindigkeitsindex aus dem Fahrzeugschein erfüllt, darf montiert werden; ein Reifen mit „EV“-Aufschrift ist keine Pflicht.
Verschleißen Reifen beim Elektroauto schneller?
Meist ja, wegen Gewicht und sofort verfügbarem Drehmoment. In einer unabhängigen Messung lag der Reifenabrieb des Tesla Model Y 26 % über dem eines Hybrids; Michelin nennt bis zu 20 % schnelleren Verschleiß.
Wann beginnt die Winterreifenpflicht?
Sie beginnt jedes Jahr am 15. November und endet am 15. April. Die Pflicht gilt für Fahrzeuge im gewerblichen Verkehr zwischen Städten; private Pkw sind nicht erfasst.
Beeinflussen Reifen die Reichweite?
Ja. Laut EU sind Reifen für 20–30 % des Verbrauchs verantwortlich; zwischen Klasse A und E auf dem Label kann ein Unterschied bei Verbrauch und Reichweite von etwa 7 % liegen.

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